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Jakobs Leiter - Bewusstsein im Dritten Jahrtausend
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Tarock-OrakelJakobs Leiter - Bewusstsein im Dritten Jahrtausend

Religion oder Metaphysik?


Ein Studium des kabbalistischen Lebensbaumes ließe uns erkennen, dass Metaphysik und Religion die beiden Seiten einer einzigen Medaille sind, nämlich die rationale und die emotionale Umschreibung einer "Auserwähltheit" des Menschen (als Vermittler zwischen Geist und Materie), niedergelegt in den Lehren der Kabbala und den Geschichten der Thora.

Als den Juden einst Kabbala und Thora (die 5 Bücher des Moses im Alten Testament) anvertraut wurden, geschah dies in der weisen Voraussicht, dass weder Kabbala noch Thora unverändert oder unverfälscht jene fernen Zeitalter erreichen würden, da die erwachende Menschheit nach spiritueller Erkenntnis zu streben begänne.

Darum wurde die eine metaphysische Lehre in zwei unterschiedlichen Sprachen niedergelegt - der des Herzens (Religion) und der des Kopfes (Kabbala)...
Was sich dereinst nicht sinngemäß in beiden Sprachen gemeinsam wiederfände, könnte so als spätere (und verbotene!) Veränderung - als Fälschung - des ursprünglichen Textes erkannt werden.

Ein Beispiel hierfür sind bezeichnenderweise die beiden "Tafeln des Zeugnisses", welche Moses auf dem Berg Sinai erhält... Wer sich mit kabbalistischer Metaphysik beschäftigt, der weiss, dass die Erwähnung der Zahl ZWEI stets auf das Prinzip der Polarität hinweist: Gott und Mensch, Adam und Eva, Gut und Böse, Strenge und Gnade, Jakin und Boaz als die 2 Säulen am Eingang des Tempels, usw.
Aber die 2 Gesetzestafeln mit je 5 Geboten stellen keinerlei metaphysische Polarität im Sinne der Kabbala dar. Mit anderen Worten: hier stimmen Kabbala und Thora nicht mehr miteinander überein.

Wir können bzw. müssen einmal mehr von späteren Veränderungen des Textes ausgehen, dessen ursprünglicher Inhalt nur noch in der Anzahl der "10 Gebote" an die 10 Sphären des kabbalistischen Lebensbaumes erinnert.

Ein anderes Beispiel: wer mit Hilfe des kabbalistischen Lebensbaumes zu spirituellem Bewusstsein (d.h. zur Sefira "Tipharet") gelangen möchte, muss die Sphäre von "Malkuth" (also seine weltliche Fixiertheit) hinter sich lassen. Das religiöse Gegenstück dazu in der Thora: das auserwählte Volk musste, um das gelobte Land zu erreichen, Ägypten verlassen.

Wir finden also den doppelten Hinweis, dass - wer mit beiden Beinen im Leben steht, eher wenig spirituellen Fortschritt erfährt, weil Weltlichkeit und Spiritualität einander ausschließen. Die beiden "Tafeln des Zeugnisses" bestätigen sich hier also gegenseitig.
In der späteren christlichen Version dieses Themas von der Suche nach Erkenntnis geht Jesus in die Wüste - und wird dort erfolglos von Satan versucht: alle Versprechungen weltlichen Erfolgs und Wohllebens können ihn nicht dazu bewegen, Satan anzubeten... Auch das Neue Testament dokumentiert also diesen Bezug zur jüdischen Metaphysik.

Der sechshundert Jahre nach Jesus verfasste Koran erkennt bereits das kabbalistische Fundament der Bibel nicht mehr. Mohammed, der bekanntlich ein erfolgreicher Handelsmann, Kriegsherr, Politiker, Gesetzgeber und Liebhaber war, bezieht sich nur noch auf die Thora, deren Geschichten er als Historie deutet.

Wer der seltsamen Parallelität zwischen der Kabbala und den geoffenbarten Religionen von Judentum und Christentum nachspürt, der stößt zwangsläufig auf den Widerspruch von Glauben und Wissen. Die Metaphysik der Lehre vom Baum des Lebens lässt sich (auch heute noch) studieren - sie betrifft also das Wissen.
Die wunderbaren Geschichten der Bibel dagegen appellieren schlicht an den Glauben.

Kompliziert ist die altehrwürdige Verflechtung von Glauben und Wissen deshalb, weil die heutigen Repräsentanten und Anhänger der biblischen Lehren aus so einer Art "Glaubensgewissheit" schöpfen, deren Wissen nur noch auf dem Glauben beruht.

Was bedeutet das praktisch für einen heutigen Menschen auf der Suche nach "Orientierung"? Wir müssen nicht glauben, dass Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen hat oder dass Jesus über das Wasser wandelte... wir müssen lediglich glauben, dass wir die Schilderungen so mancher der Begebenheiten jener fernen Tage als umschriebene Metaphysik deuten können, die sich an ein archaisch wundergläubiges Publikum (des Widder-Zeitalters an der Schwelle zum Fische-Zeitalter) wandte.

Wer nach wie vor in den frommen Lehren seiner jeweiligen Religion Halt und Anleitung findet - sehr gut. Dennoch ist er - nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung - für sein Denken und Handeln in vollem Umfang eigenverantwortlich, unabhängig davon, was auch immer diese oder jene Glaubensvorschrift ihm auferlegen will (z.B. das Missionieren, der Kampf gegen Ungläubige, das Schächten u. dergl.).

Wer dagegen dem Praktizieren des Glaubens seiner Kindertage mit all den seltsamen Verkleidungen, Ritualen und Übungen allmählich zu entwachsen beginnt, der möge sich einmal näher mit dem rationalen Aspekt seines Glaubens beschäftigen - dem Wissen.




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Stand: August 2005