Eine Sonderform des Gesetzes von Ursache und Wirkung ist das Gesetz der Resonanz. Beide Gesetze verhalten sich zueinander wie das Vertikal und das Horizontal des Kreuzes (siehe auch dort).
Ein Beispiel: Gott erschafft den Menschen aus einem Erdenkloß - so lehrt die Bibel die Metaphysik des vorchristlich heidnischen Kreuzes: jegliche Wirkung (Mensch) hat eine übergeordnete Ursache (Gott). Ursache und Wirkung sind die beiden Gegenpole des Vertikalen Armes des heidnischen Kreuzes. Der Horizontale Kreuzes-Arm in unserem Beispiel wäre hier etwa in der Regelung der Beziehung zwischen Geschöpf und Schöpfer vermittels Ge- und Verboten zu erkennen: Gott (oben) regelt des Menschen Leben (unten) vermittels Geboten (rechts) und Verboten (links).
Der Horizontale Kreuzes-Arm im Sinne der erwähnten Resonanz wird in der Bibel beispielsweise in der Formulierung "suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan" dargestellt; die Resonanz bestimmt hier die Beziehung zwischen Oben und Unten.
Auch das Bewusstsein wie das Sein jedes einzelnen Menschen folgt der Metaphysik des Kreuzes: er verfügt z.B. über ein geistiges und ein materielles Schöpferpotential (Kopf oben und Sexus unten), das er aktiv oder passiv (links oder rechts) nutzen kann.
In der Beziehung von Kreuz zu Kreuz (von Mensch zu Mensch) erkennen wir wiederum leicht das Prinzip der Resonanz ("wie ich in den Wald hinein rufe, so schallt es heraus"). Das Gesetz der Resonanz wirkt aber auch, wenn ich mit einem brennenden Streichholz einen Kerzendocht entflamme, oder wenn ein Erdbeben eine Flutwelle auslöst.
Von Kreuz zu Kreuz, aber auch innerhalb jedes einzelnen Kreuzes, können beide Gesetze wirken - das Gesetz von Ursache und Wirkung wie das der Resonanz. Ein Beispiel:
Mit unserer physischen Existenz sind wir als Individuen, als "Gottes Kinder", über viele unterschiedliche Erdenleben hinweg an das "Kreuz der Welt" gebunden: VERTIKAL bestimmen die Verdienste und Verfehlungen unserer früheren Existenzen - als Ursachen - die (unverstandenen) Wirkungen unseres gegenwärtigen und zukünftigen Lebens. HORIZONTAL bestimmen die Verdienste und Verfehlungen unseres gegenwärtigen Lebens - als Resonanzen - dessen Qualitäten.
Gutes gebiert Gutes, Böses gebiert Böses; die Empfehlung "liebe deinen Nächsten wie dich selbst" auch auf die Existenz und das Lebensrecht aller Tiere auszudehnen ist eine segensreiche Anwendung des Gesetzes von der Resonanz.
Man mag sich fragen, ob die eher kopflastige Schnörkellosigeit der Metaphysik eine angemessene Alternative sei zu all den anbetungswürdigen orientalischen Heiligen und Propheten, zu den Wundern und Geheimnissen des frommen Glaubens unserer Kindertage, zur Herzens- (oder Bauch-)Sprache der Religionen.
Dazu wäre zweierlei zu bedenken: zum ersten verhalten sich Metaphysik und Glaube zueinander wie Wachen und Träumen - und es steht jedermann frei, sich für das eine oder das andere zu entscheiden.
Zum zweiten hilft uns die Metaphysik besser zu verstehen, was die Religionslehren der Juden und der Christen ihrem innersten Wesen nach sind - in Fabeln und Gleichnisse gekleidete Darstellungen kosmischer Gesetze. Das Wahrnehmen kosmischer Gesetze hebt unseren Geist aus der Emotionalität - aus dem Bauch - hinauf in den Kopf, den Sitz des erkennenden Ichs. Von dort aus lässt sich auch viel deutlicher sehen, welch archaisch tiefer Evolutions-Stufe des menschlichen Bewusstseins jegliche religiös motivierte Gewalt entstammt.
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Stand: August 2005